Marwin Vigoo

© Antje Terhaag

Adobe RGB oder sRGB?

Wer hat sich diese Frage noch nicht gestellt …

Spätestens in der RAW-Entwicklung steht man vor dem Problem, welchen Farbraum man am besten für seine Fotobearbeitung verwendet. Und was ist das eigentlich?
Ein Farbraum ist die Menge an darstellbaren Farben (unabhängig von der Luminanz).

sRGB ist der Standard für alle Digitalmedien im Consumerbereich. Günstige Fotokameras, Monitore und Drucker arbeiten mit diesem Farbraum. Auch große Verbraucher-Fotolabore und kleine Fotodruckerein in den Innenstädten setzen sRGB vorraus. Da dieser Standard nie wirklich festgesetzt wurde, er aber doch überall vorausgesetzt wird, nennt man ihn einen Quasi-Standard.

Adobe wollte die Farbräume RGB und CYMK (so nennt man den Druckfarbraum) miteinander verbinden, entwickelte in den 1990er-Jahren diesen Farbraum und veröffentlichte ihn 1998. Seitdem wurde er immer weiterentwickelt, vor allem im Grün- und Cyanbereich, um vor allem Naturtöne feiner darzustellen.

Allerdings benötigt man entsprechende Hardware wie eine Kamera, die dieses Farbspektrum aufnehmen, einen Monitor, der es darstellen, und einen Drucker, der es umsetzen kann. Wie man sich vorstellen kann, ist diese ziemlich teuer oder kompliziert in der Anwendung (vor allem das Drucken)

Die Ergebnisse sind von Laien auch kaum zu unterscheiden, deswegen wird es hauptsächlich in der technischen, medizinischen und künstlerischen Fotografie benötig, in der feinste Farbvariationen sichtbar sein müssen.

Man sollte sich also überlegen ob man mit dem sRGB oder Adobe RGB Farbraum arbeiten möchte, außer man fotografiert im RAW-Format – dort wird der Farbraum erst beim Entwickeln in Camera RAW festgelegt.

© Antje Terhaag

Olle Kamellen und Postkartenmotive

Als Einsteiger in der Fotografie bewundert man Fotografien auf Postkarten und Plakaten, Fotos mit klassischer Perspektive und bekannten Formen. Mit steigender Erfahrung wird man dessen jedoch überdrüssig. Die klassische Postkarte mit millionenfach abgelichteten Motiven ist langweilig geworden und man sucht die Herausforderung.

Einsteigern wird oft empfohlen, sich doch andere Motive zu suchen und nicht immer nur dieses langweilige Zeug. Doch genau dieses „langweilige Zeug“ ist das Wichtigste in einem beginnenden Fotografenleben. Denn dort beginnt der Maßstab.

Würden wir uns stets nur an neuen Ideen und Techniken versuchen, könnten Fotografen Bewährtes nicht erleben oder erlernen. Denn klassische Motive sind das Fundament auf dem die Fotografie steht. Von hier aus startet jeder – selbst der, der anderen den Tipp gibt, nicht mit ollen Kamellen zu langweilen. Aber so langweilig sind diese Motive gar nicht, es gibt immer ein Lichtschauspiel oder eine Szene, welche dieses Motiv besonders herausragen lässt. Durch die vielen Fotos, die es zum Beispiel vom Medienhafen gibt, hat der Einsteiger die Möglichkeit, seine Fotos zu vergleichen und sich mit anderen zu messen. Sei es durch scharfe Technik, ungewöhnliche Perspektive oder nie gesehene Formen.

Aus alt wird neu!

Durch das Vermischen von klassischen Motiven mit neuen Erfahrungen und Ideen entsteht nach und nach ein eigener Stil. Unverkennbar und mit Wiedererkennungswert. Dieser Prozess dauert unter Umständen einige Jahre oder sogar für immer, und doch beginnt er stets mit einem langweiligen, klassischen Postkartenmotiv.

Daher gebe ich gern den Tipp:

Fotografiere den Rheinturm von unten. Auch Schloss Benrath steht noch an der selben Stelle wie auf den Bildern, die schon vor 100 Jahren gemacht wurden. Also geh hin und mach es nochmal! Nur dadurch kannst Du Dich verbessern, Techniken lernen und Dich weiterentwickeln.

Fotografiere olle Kamellen und abgedroschene Landschaften, den Berliner Fernsehturm oder auch den Kölner Dom. Mit jedem Mal wirst du besser, und irgendwann kommen die Fotos, die noch keiner gesehen hat, von alleine!

© Antje Terhaag

ISO

ISO, also International Organisation of Standardization, bezeichnet eigentlich eine Normung. Was hat das mit meiner Kamera zu tun? Es bezeichnet in der Fachsprache die Empfindlichkeit des Sensors, genauer die techische Normungsklasse ISO 5800. Klassischerweise werden diese in den Verdopplungstufen angegeben, angefangen von ISO 100 – 200 – 400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400. Einige Systeme erlauben auch eine Empfindlich unter 100, jedoch eher im professionellen Segment. Seit einigen Jahren bieten digitale Kameras auch die Option auf Drittelstufen in der ISO-Einstellung an. Einen praktischen Nutzen hat dies aber kaum und dient vor allem als Verkaufsargument.

Die ISO ist also die Empfindlichkeit, fangen wir beim kleinsten ISO-Wert an: Hier ist der Sensor am unempfindlichsten und erlaubt längere Belichtungszeiten und die höchste Bildqualität. Denn mit zunehmender ISO-Leistung verschlechtert sich diese, es entsteht Rauschen.

 

Warum rauscht es bei hoher ISO?

 

Mit höhere Empfindlichkeit soll eben auch möglichst viel Licht wiedergegeben werden, welches durch das Objektiv eingefangen wird. Um das zu erreichen, wird der CCD-Sensor mit höherer elektrischer Ladung versorgt. Da der Sensor immer eine Grundspannung hat, wird diese mit höheren Empfindlichkeiten als Licht wahrgenommen und überdeckt genau jenes Lichtspektrum, welches schwächer ist als das der Grundspannung.

Die Chiphersteller haben in den letzten Jahren allerdings sehr viel erreicht in der Vermeidung des Rauschens, wenn man mal die High-ISO-Photos der letzten 5-6 Jahre vergleicht mit den heutigen, dann schimpft man schon auf sehr hohem Niveau. Im Beispielfoto wurde mit ISO 6400 gearbeitet.

 

Wofür braucht man höhere Empfindlichkeit im Sensor?

 

Nehmen wir mal, an es ist sehr hell am Tag, die Sonne scheint und wir haben ein gutes und lichtstarkes Objektiv. Dann ist alles in Ordnung. Sobald man aber in die Dämmerung gelangt und/oder das Objektiv nur eine geringe maximale Blendenöffnung zulässt, gerät man schnell in die Situation, dass die Belichtungszeit zu lang wird – vor allem bei langen Brennweiten (starker Zoom).

Um (ohne Stativ) nicht zu verwackeln, muss die Belichtungszeit aber (relativ) gering sein. Um also dem Sensor die Möglichkeit zu geben, noch das letzte bisschen Licht aus einer Situation zu holen, erhöht man eben die ISO, die Empfindlichkeit.

Eine hohe ISO hat aber auch noch einen weiteren Vorteil: Sie hat eine flachere Gradation, das heißt, dunkle Stellen werden etwas aufgehellt und helle etwas abgedunkelt. Hierdurch ergibt sich ein weicher und flacher Kontrast, was  mehr Details zulässt. Welche Einstellung das beste Qualitäts-Kontrastumfang-Verhältnis hat, kann niemand so pauschal sagen: Dies hängt vom Alter des Geräts, dem Modell und der Auslösezahl ab.

 

ISO-Rauschen als Stilmittel

 

Grundsätzlich gilt es, das technische Rauschen zu vermeiden und möglichst viel Bildqualität zu erhalten. Dies gilt vor allem in der handwerklichen Fotografie.

Anders ist es in der künstlerischen Fotografie: Hier kann man gar mitunter nicht genug gekommen von gewollten Abbildungsbeschränkungen, die noch mehr Abstraktion zulassen.