Übung

Das kannst Du zu Hause fotografieren etc.

Wie kann man sich zu Hause fotografisch beschäftigen? Mehrere Bereiche stehen einem dabei zur Verfügung, damit es nicht langweilig wird und man auch ein bisschen Abwechslung bekommt.

  • Man kann fotografieren: In Innenräumen egal welcher Größe lassen sich spannende Dinge mit der Kamera umsetzen.
  • Bildbearbeitung: Ob man unbearbeitete Bilder abarbeitet (wer hat die nicht?), sich in neue Software hineinfuchst oder ganz neue Werke mit der Software kreiert – es gibt genug zu tun.
  • Ordnen, ablegen, präsentieren: Auch hier schlummert gewaltiges Potential. Angefangen bei der Verschlagwortung der Bilder über das Auswählen und Weiterbearbeiten bis zum Gestalten von Fotobücher, Alben, Ausstellungen etc.
  • Inspiration und Information: Fotobücher, die man gekauft und danach unbesehen ins Regal gestellt hat für den passenden Moment, Online-Ausstellungen, und und und.

Wir listen hier nach und nach Tipps auf und wünschen Dir eine vergnügliche Auseinandersetzung damit für die Zeiten, in denen man mal nicht nach draußen kann oder will. Wer von uns die Tipps eingebracht hat, siehst Du am Kürzel nach dem Text: ks für Kerstin Schütze, mv für Marwin Vigoo und at für Antje Terhaag. Wir ergänzen die Liste laufend.

 


Zu Hause fotografieren

 

1. Schnapp Dir einen ganz gewöhnlichen Gegenstand

 

Kreativität wächst oftmals aus der Langeweile heraus. Man kann das kreative Protential steigern, wenn man zur eigenen Langeweile ein “langweiliges” Objekt addiert und damit spielt. Hier ist es ein schlichtes Hühnerei. Wenn man erst einmal begonnen hat, ergeben sich die Motive von allein. Nicht alle Ergebnisse sind toll, aber ein paar Hingucker ergeben sich immer. Ganz oben im Artikel  haben wir einfach ein Blatt Papier zu einer Tüte gerollt (mit einem kleinen offenen Ende), das Ei hineingelegt und von hinten mit einer Taschenlampe beleuchtet. Das Ganze geschah in einem ansonsten abgedunkelten Raum.

Auch das zweite Bild wurde in Dunkelheit fotografiert. Die Eierschalen wurden ineinander gesteckt und mit einer sehr kleinen Taschenlampe ausgeleuchtet. Da die Taschenlampe in diesem Fall sehr dicht über dem Ei positioniert war, wurde sie anschließend rausretuschiert. Man kann aber auch ein Gaffertape um die Lampe wickeln und den Strahl damit stark konzentrieren. (at)

 

2. Nutze Dein Tablet als Softbox

 

(Ein Tablet ist eine hervorragende Lichtquelle! Es gibt entsprechende Apps (sucht unter Lightbox oder Softbox etc.), die den Bildschirm zur Ausleuchtung nutzbar machen. Man kann dann Gegenstände einfach auf das Tablett stellen wie dieses Miniaturauto. Aber man kann sein Tablet auch frei positionieren – dazu braucht man vielleicht eine helfende Hand oder ein Stativ für die Kamera.

Die Möglichkeiten, Farbtemperatur und Intensität zu regeln, geben einem viel Spielraum. Ganz oben als Titelbild siehst Du ein aufgeschlagenes Buch, das mit Offenblende fotografiert wurde und vom iPad orange angestrahlt wurde. Für die Schuhe war es ein Blauton. Früher gab es Apps, die Fensterformen nachgebildet und damit tolle Reflexionen auf Gegenständen produziert haben. Leider haben die damaligen Entwickler diese Apps nicht aktualisiert, also laufen sie nicht mehr auf den aktuellen Geräten, und in den übervollen App-Stores haben wir gerade kein entsprechendes Angebot gefunden, aber im Zweifelsfall kann man auch Schablonen dafür basteln. (at)

 

3. Am Fenster

 

zu Hause fotografieren: Portaits am Fenster

Bei Portraits am Fenster schlägt die Stunde derer, die beim Fensterputzen eher zurückhaltend agieren. Das Fenster wirkt wie eine riesige Softbox, und je ungeputzter es ist, desto fiffuser und weicher leuchtet es das Motiv aus. Natürlich muss es kein Portrait sein, auch Gegenstände aller Art können von diesen Licht profitieren. Beim Beispielbild kann man “den Rest” eines Rembrandt-Lichts erkennen, also das Licht unter dem Auge, das der Quelle abgewandt ist. Es gibt eine Menge an Positionen, die ein Model dem Fenster gegenüber einnehmen kann, und damit ist das Fensterlicht auch ein sehr guter Lehrmeister, wenn es um das Spiel mit Licht und Lichtsetzung geht. (at)

 

4. Stillleben

 

Stilleben lassen sich prima zu Hause fotografierenDas Stilleben ist vielleicht das Naheliegendste, wenn man zu Hause fotografieren will. Man schnappt sich ein paar Dinge, arrangiert sie und fertig. Fertig? Keineswegs. Jetzt beginnt die Arbeit. Stillleben können eine Lektion in Geduld und Demut werden! Das Licht spielt eine entscheidende Rolle, und jetzt schlägt auch die Stunde verschiedener Lichtquellen. Das kann eine große Lichtquelle sein wie ein Fenster, aber man kann auch mit mehreren Leuchten und Reflektoren arbeiten. Interessant ist es allemal, zu versuchen, das Licht an genau die Stellen zu bekommen, an die man es haben will. Dazu kann man zwei Herangehensweisen wählen:

1. Ein Lichtset
Hier baut man sich das Licht weitgehend “statisch” auf und verändert es nach dem Blick auf den Kontrollmonitor – bis es passt. Also man fotografiert ganz normal und verändert die Positionen seiner Lichtquellen (oder auch der Objekte).

2. Malen mit Licht
Auch hier hat man die Kamera auf dem Stativ, geht aber in die Langzeitbelichtung. Dazu muss man den Raum (weitgehend) abdunkeln. Dann kann man mit Taschenlampen während der Belichtungszeit über die Gegenstände malen und mal mehr, mal weniger lange mit dem Licht verweilen. Idealerweise kleidest Du Dich dabei dunkel, vielleicht benutzt Du auch schwarze Handschuhe. Um das Licht zu bündeln, kannst Du Dir mit Gaffertape eine “Snoot” basteln, also eine Hülse um die Taschenlampe, die das Streuen des Lichts eindämmt. Achte darauf, die Lampe immer so zu halten, dass Du zu keinem Zeitpunkt in die Kamera leuchtest.
Das Ganze macht viel Spaß, aber es ist mehr Versuch-und-Irrtum als mit einem Lichtset. (at)

 

5. Nutze Reflexionen für abstrakte Bilder

 

Reflexionen ausnutzenViele alltägliche Gegenstände reflektieren Licht, manche streuen es wie ein Prisma. DVDs und CDs erzeugen einen Farbfächer, wenn man das Licht von der Seite auf die Scheiben bringt. Aber auch ein Smartphone kann erstaunliche Reflexionen hervorbringen. Fotografiert man die Objekte im unscharfen Bereich, dann kommen die Reflexionen und die Farben besser heraus. Das Bild wird abstrakter und man muss als Betrachter mehr Phantasie bemühen, um zu erkennen, was fotografiert wurde.

Du kannst CDs natürlich auch dazu nutzen, um das einfallende Licht auf ein Objekt umzulenken. Oder für interessante Bokeh-Effekte. Überhaupt: Schau dich mal um, was für fotografisch interessante Objekte sich noch im Haushalt finden lassen – manche werden in der Unschärfe erst spannend, während andere vielleicht von Makro-Aufnahmen profitieren könnten. Wenn man einmal mit dem Experimentieren anfängt, ergibt eine Idee schnell die nächste. (ks)

 

6.  Abstraktion durch längere Belichtungszeit

 

© Kerstin SchützeMit Hilfe von Pfefferminzbonbons und einer längeren Belichtungszeit wurde dieses  Bild aufgenommen. Einfach die Bonbons auf der Tischplatte platzieren und während des Fotografierens die Kamera bewegen. Je dunkler der Raum ist, desto länger kann die Belichtungszeit gewählt werden, und umso mehr lässt sich ausprobieren, was man alles in einer Belichtungsphase aufs Bild bekommt. Die Ergebnisse sind nicht reproduzierbar und man hat recht viel Ausschussware, aber einige Treffer gibt es immer.(ks)

 

7. Schaffe coole Hintergründe mit dem Rechner

 

Phantastische Welten mit fotografischen MittelnDass man den Himmel in einem Foto im Rahmen der Bildbearbeitung austauscht, ist nicht neu, wenn auch mit Luminar 4 auf eine neue Ebene an Einfachheit gehoben. Wie wäre es nun, diese Hintergründe einfach von Beginn an ins Foto zu holen? Mit ggf. einem kleinen Aufbau, der Dein Motiv in die gewünschte Position zum Bildschirm Deines Rechner bringt, lassen sich unendliche Weiten aus dem Internet holen – oder auch aus Deinen eigenen Fotos. Davor kannst Du ganz neue Landschaften und Welten schaffen, beispielsweise mit Schrauben und Muttern (dann ergibt sich auch gleich noch die Gelegenheit, den Werkzeugkasten aufzuräumen. Such Dir Dinge, die Du auf diese Weise in einen ganz neuen Kontext setzen kannst! (ks)

 

8. Beginne ein Projekt

 

Ein fotografisches Projekt beginnt mit der PlanungVom Stillleben kommen wir gleich auf den nächsten Punkt. Karsten Enderlein, einer unserer Dozenten und Fotokünstler, hat sich Vincent van Gogh für ein umfassendes fotografisches Projekt ausgesucht, und dazu gehören unter anderem auch die Stillleben van Goghs, die er mit der Kamera erstellt hat. Wenn Du jetzt bereits einen Blick auf Karstens Website geworfen hast, siehst Du, dass vieles davon unter freiem Himmel fotografiert wurde. Das kann auch bei Deinem Projekt der Fall sein. Für eine “Werkgruppe” braucht es allerdings ein solides Fundament, ein Konzept. Man kann natürlich sagen, “ich fotografiere jetzt mal Haustüren”, und das funktioniert auch gut und hat schon Bücher, Kalender und Poster gefüllt, könnte ambitionierten FotografInnen aber auch schnell langweilig werden. Spannend sind immer Projekte, hinter denen eine Geschichte steht. Im Vincent-van-Gogh-Projekt ist es der Briefwechsel zwischen Vincent und seinem Bruder Theo. Nutze also die Zeit zu Hause, zu recherchieren, zu planen, Ideen im Kopf zu bewegen und zurechtzuschmirgeln. Vielleicht ist ja ein Konzept dabei, das Du dann gleich auch zu Hause fotografieren kannst. (at)

 

9. Probiere Apps aus und fotografiere mit dem Smartphone

 

HipstamaticDas Smartphone kann mittlerweile eine interessante Alternative zur Kamera sein!

Geh in Deinen jeweiligen App-Store und durchforste die Foto-Apps. Viele sind kostenfrei. Viele sind auch wirklich sinnfrei – aber das Ausprobieren schadet nicht, und löschen kann man die Apps ja immer noch. Ein paar haben wir schon getestet:

  1. Hipstamatic (nur iOS) – großartige App mit Retrokamera, wählbaren Objektiven und Filmen und dadurch immer wieder neuen und schönen Bildlooks. Das Beispielbild stammt daraus (das ist aber nur einer von unzähligen Looks und Rändern). Doppelbelichtung und Blitzeffekte runden das Ganze ab.

Bildbearbeitung

 

1. Probiere Apps und Programme aus

 

SnapseedDu findest Bildbearbeitungsapps auf dem Smartphone aus Prinzip doof, weil Du auch Handyfotografie uncool findest? Akzeptiert. Aber wenn sich der natürliche Horizont verringert, weil man nicht mehr raus soll/kann/darf, muss der im Kopf erweitert werden. Da sind manchmal Dinge gut, die gegen die bisherige Haltung gehen. Und manchmal findet man gerade dort tolle Anregungen.

Geh in Deinen jeweiligen App-Store und durchforste die Foto- und Bildbearbeitungs-Apps. Viele sind kostenfrei. Ein paar haben wir schon getestet:

  1. Snapseed – umfangreiche und intuitive Bildbearbeitung. Einst von Google aus der Nik Collection heraus entwickelt. Ein kostenloser Alleskönner – für Smartphone und Tablet.

Inspiration und Information

 

1. Unterhaltsamer Ritt durch die Geschichte der Modernen Kunst

 

Städel Online-Kurs als Inspirationsquelle für FotografInnenDüsseldorf hat ganz unbestritten eine Reihe großartiger Museen, die auch der Fotokunst viel Raum geben. Wenn die Museen geschlossen sind, dann lohnt sich der Blick nach Frankfurt. Das Städel Museum, dessen langjähriger Sammlungsleiter mittlerweile die Geschicke des Museum Kunstpalast in Düsseldorf lenkt, hat einen Onlinekurs entwickelt, der Dich in die Moderne Kunst einführt. Kostenlos. Was sollen wir sagen? Wir lieben diesen Kurs! Nicht umsonst, hat er eine Nominierung für den Grimme-Preis erhalten. Alles wird anhand von Exponaten des Städel erklärt, und das vielfältig und ausgesprochen kurzweilig. Es gibt Tests und Übungen, und das Auge wird gefordert und trainiert. Man muss sich registrieren, damit der jeweilige Bearbeitungsstand gespeichert werden kann, das ist es dann schon. Probier es aus: Hier geht es zum Kurs. (at)

 

2. Sehen und verstehen lernen mit David Hockney

 

David Hockney und Martin Gayford: Welt der BilderDavid Hockney ist – wie viele Künstler – immer auf der Suche und bleibt nie stehen. Bekannt ist er als Maler, aber auch als Fotograf hat er ein vielfältiges Werk geschaffen, und im Kopf gewegt er stets alle Aspekte von Kunst und Sehen. Diese Gedanken nachzuvollziehen, dazu lädt sein ausgesprochen gut lesbares Buch “Welt der Bilder” ein. Im Dialog mit Kunsthistoriker Martin Gayford spannt er den Bogen von der Höhlenmalerei bis zum Hollywoodfilm, was die Sache so spannend macht. Das ist keine trockene Kunstgeschichte, sondern ein Varieté an Bildern und Gedanken. Und das Ganze zu einem sehr, sehr vertretbaren Preis von 20,– Euro für 350 Seiten reich bebilderte Inspiration.

Ebenfalls zu empfehlen ist, was David Hockney seit einigen Jahren auf dem iPad malt. Neben den technischen Vorzügen des Geräts fasziniert ihn, der immer versuchte, Raum und Zeit gleichzeitig zu fassen zu bekommen, dass man neben dem fertigen Bild immer auch einen Film über die Entstehung eines Werks bekommt – das Making-of ist also schon Teil des Bildes. (at)

 

3. Über den Tellerrand

 

Foto-InspirationenWoher nimmt man sich die Inspiration für neue Fotos? Zunächst einmal: Nicht jeder sucht danach. Menschen fotografieren zur Entspannung, um Momente zu Erinnerungen zu machen etc. Nicht jeder ist ständig auf der Suche nach neuen Sichtweisen und Künstlern, die das Alte aufbrechen – und es muss sich auch niemand dazu gezwungen fühlen. Wer aber gerne erlebt, was andere machen und wie sie dazu kamen, der hat zumeist auch sofort wieder eigene Ideen im Kopf. Alte Kreativ-Regel: Wer viel im Kopf hat, dem fällt auch viel ein.
In Sachen (Hobby-)Fotografie ist der Blick auf die Arbeiten anderer Hobbyfotografen nicht immer ergiebig – aber vielleicht der in den Kunstbereich. Da ist es auch völlig egal, ob man sich bei Fotografen, Malern, Bildhauern, Filmemachern oder Literaten bedient, sie alle können der Zündfunke im Kopf sein.
Wenn man die Museen der Welt nicht besuchen kann, dann reicht ja manchmal schon der Blick ins Internet. Auf arte finden sich in der Abteilung Kunst viele Stücke, die einem nicht nur die Zeit vertreiben. Und Metropolis gibt nicht nur Einblicke in die aktuelle Kunstszene, sondern verlängert auch gleich die Liste der Orte, die man unbedingt mal besuchen will. (at)

 

4. Staging Silence

 

Dieser 20-minütige Film des Künstlers Hans Op de Beeck gehört eindeutig zu meinen Lieblingswerken. Op de Beeck ist gerade hier in Düsseldorf bekannt durch seinen Raum in der “Black and White”-Ausstellung im Museum Kunstpalast und seine vorangegangene Einzelausstellung im Museum Morsbroich in Leverkusen.

“Staging Silence” ist ein Projekt, bei dem alle Szenen auf einem Tisch entstanden. Es enthält einen unglaublichen Fundus an Ideen für (fotografische) Inszenierungen zu Hause und zeigt auf beeindruckende Art, was man wie mit Licht machen kann. (at)

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Lesen ist billiger – wirklich?

Lesen ist billiger

Als wir neulich unseren Kurs “Nacht- und Feuerwerkfotografie auf der Kirmes” bei Facebook beworben haben, fand sich folgender Kommentar unter der Veranstaltung: “Lesen ist billiger” und dahinter ein Link zu einer recht präzisen Beschreibung der notwendigen Einstellungen, wenn man ein Feuerwerk fotografieren will, wenngleich mit wenig imponierenden Beispielbildern.

Auch wenn ich den persönlichen Nutzen einer fremden Person (es handelte sich nicht um einen Kunden), solch einen Kommentar abzugeben, nicht nachvollziehen kann, so ist die Aussage selbst natürlich korrekt: Lesen ist billiger. Selbst im Verhältnis zu einem Schnapper wie dem Feuerwerk-Workshop für 29,– Euro. Aber wie steht es denn mit den Resultaten?

Was die Feuerwerkfotografie betrifft: Als geübter Fotografierender kann man die Schritte leicht nachvollziehen, wenn man sie sich anliest. Und wenn man es einmal gemacht hat, kann man es sich auch ganz gut merken – man vergisst vielleicht, den Stabilisator abzuschalten oder umgekehrt, ihn anschließend wieder zu aktivieren, aber das Motiv selbst kriegt man in den Griff. Ich habe vor längerer Zeit einen Workshop zu dem Thema besucht und habe es genossen, mit einer Runde Gleichgesinnter an einem netten Ort zu stehen und alle paar Minuten die Displays der anderen zu beäugen. Es war ein Sommerabend, der bis weit nach Mitternacht nicht mehr als ein T-Shirt verlangte, und wir hatten einen Referenten, der grundsympathisch war und auf jede Frage eine fundierte Antwort wusste. Aber eine schriftliche Checkliste hätte mir zumindest technisch gesehen gereicht.

Ganz anders beim ersten Photoshop-Kurs. Ich hatte mich ein wenig in die Software eingefrickelt, nun sollten neue Tiefen erobert werden. In diesem Stadium war der Kurs unverzichtbar. Manche Dinge hat das Programm nämlich einfach nicht gemacht, obwohl es bei anderen funktionierte. Und ja, es war die richtige Ebene ausgewählt, aber eben falsch eingestellt, von welchen Ebenen Daten aufgenommen werden sollten. Das hätte ich ohne einen Trainer damals nicht herausgefunden.

Wann also lohnt sich die Investition in einen Workshop oder Kurs, wann kann man sich etwas anlesen und wann ist ein Video sinnvoll?

 

Video

 

Mit einem kostenlosen Text oder Video-Tutorial im Internet macht man erst einmal nichts falsch. Im schlimmsten Fall hat man Zeit verschwendet, im besten hat man alles erfahren, was man wissen wollte – plus Zugabe. Ich nutze solche Tutorials auf Youtube ganz gerne, wenn es um verrücktes Zeug geht wie beispielsweise das Generieren von Lichtstrahlen in Photoshop. Das ist eine völlig krude Aneinanderreihung von Schritten, bei denen man am Anfang nicht für möglich hält, dass tatsächlich ein beeindruckendes Ergebnis am Ende steht. Solche Anweisungen will ich dann auch nicht lesen, weil ich sehen möchte, was jeweils auf dem Bildschirm passiert. Und weil das Vertexten solcher Abläufe vermutlich in den Wald führen würde. Allerdings muss man schon ein ordentliches Grundverständnis haben – denn wenn man festhängt, kann man das Video nicht fragen, wie man weitermachen muss. Wenn man Glück hat, kann man die Frage als Kommentar stellen, aber das ist vom Aufwand her nicht zu vergleichen mit einem schnellen: “Kannst Du mal in meinen Rechner gucken, warum das bei mir nicht funktioniert?”. Dafür kann man so ein Video auch mal eben mitten in der Nacht ansehen, weil man gerade an einem Bild sitzt und genau in diesem Moment eine Idee umsetzen will.

Im Gegenzug zu solchen Perlen sieht man dann aber auch eine entsprechende Menge von Videos, bei denen man nur auf gutes Click-Baiting hereingefallen ist. Oder auf den Trend, jeden Text, der in 20 Sekunden zu lesen wäre, in ein 15-Minuten-Video zu packen, weil man dort der Werbung nicht entkommt.

Bei kostenpflichtigen Online-Kursen ist man preislich ganz schnell auf dem Niveau eines Workshops mit persönlicher Präsenz. Dafür kann man zumeist ein paar kostenfreie Ausschnitte sehen, um sich eine Meinung zu bilden, oder man erlebt große Stars, die man nur für solch ein Projekt einmal bekommt. Vieles erhält man nur im Rahmen eines Abonnements mit einer bestimmten Laufzeit und freiem Zugang zu allen Inhalten. Das habe ich schon in Anspruch genommen – und zumindest bei mir setzte schnell das Fitnessstudio-Mysterium ein: Nach einer intensiven Nutzung im ersten Monat …

 

Buch

 

Bücher sind wieder etwas anderes. Ich lese sie zu Themen, für die keine Kurse angeboten werden, um mich inspirieren zu lassen. Hier kann ich das Tempo selbst bestimmen, kann das Buch wieder aus der Hand legen, querlesen, einen bestimmten Abschnitt suchen und gezielt lesen. Während ich Video-Tutorials für technische Themen schätze, ziehe ich Bücher bei Kreativthemen vor. Aber natürlich gibt es auch Technikbücher, die ich als Nachschlagewerke verwende.
Gute Bücher mit erlesenen Bildern sind aber auch kein Schnäppchen – und sie beantworten keine Fragen, geben kein Feedback.

 

Workshop

 

Kommen wir also zurück auf die Kurse, bei denen Menschen gemeinsam ein Thema erobern. Hier gibt es gute und schlechte – wie bei Texten oder Videos auch. Die guten Veranstaltungen zeichnen sich durch Lehrer aus, die absolut sattelfest in ihrer Materie sind, Freude am Unterrichten haben und mit einer Gruppe umgehen können. Und natürlich die richtigen Inhalte gewählt haben. Manchmal muss man auch Glück mit den Teilnehmern haben – es gibt Gruppen, die harmonieren, und es gibt Gruppen, die heterogener sind, als man sich das wünschen würde. Wenn man aber mal unterstellt, dass der Trainer ein guter ist und die Inhalte dem entsprechen, was zuvor ausgelobt wurde, dann würde ich einen Kurs immer als lohnend empfinden.Er kann sich inhaltlich immer wieder auf neue Situationen und Fragestellungen einstellen – wie ein Buch, das sich erst im Moment des Lesens schreibt. Man kann Fragen stellen und sich erst dann zufriedengeben, wenn man die passende Antwort hat. Man kann sich Rückmeldung und Bestätigung holen – wenn man dafür offen ist und die Kursleitung weiß, wie man gutes Feedback gibt – und daraus Motivation und neue Impulse beziehen. Man kann (weitgehend) sein eigenes Tempo vorlegen. Man lernt Menschen mit gleichgelagerten Interessen kennen und kann unter ihnen Freunde finden. FotografInnen begutachten gerne fremdes Equipment und holen sich Erfahrungswerte.

Zumeist bekommt man in Kursen Tricks verraten, die man sonst nicht findet. Zum Beispiel die Sache mit dem Knicklicht, die in unserem besagten Kurs zur Nacht- und Feuerwerkfotografie erläutert wird. Nein, es hat nichts mit Lightpainting zu tun. Und es lässt sich hier nicht nachlesen …

 

Fazit

 

Alle Arten, sich fotografisch weiterzuentwickeln, haben ihre Berechtigung und je nach Thema, Vorwissen und Persönlichkeit ihre Vorzüge. “Lesen ist billiger” trifft dabei nicht immer zu. Wie auch immer die eigene Entscheidung ausfällt, schließe ich mich der Meinung an, dass man für herausragende Fotos das meiste Geld in Erlebnisse (wie Reisen) investieren sollte, dann in Weiterbildung und erst zuletzt in Gerätschaften.

© Antje Terhaag

Olle Kamellen und Postkartenmotive

Als Einsteiger in der Fotografie bewundert man Fotografien auf Postkarten und Plakaten, Fotos mit klassischer Perspektive und bekannten Formen. Mit steigender Erfahrung wird man dessen jedoch überdrüssig. Die klassische Postkarte mit millionenfach abgelichteten Motiven ist langweilig geworden und man sucht die Herausforderung.

Einsteigern wird oft empfohlen, sich doch andere Motive zu suchen und nicht immer nur dieses langweilige Zeug. Doch genau dieses „langweilige Zeug“ ist das Wichtigste in einem beginnenden Fotografenleben. Denn dort beginnt der Maßstab.

Würden wir uns stets nur an neuen Ideen und Techniken versuchen, könnten Fotografen Bewährtes nicht erleben oder erlernen. Denn klassische Motive sind das Fundament auf dem die Fotografie steht. Von hier aus startet jeder – selbst der, der anderen den Tipp gibt, nicht mit ollen Kamellen zu langweilen. Aber so langweilig sind diese Motive gar nicht, es gibt immer ein Lichtschauspiel oder eine Szene, welche dieses Motiv besonders herausragen lässt. Durch die vielen Fotos, die es zum Beispiel vom Medienhafen gibt, hat der Einsteiger die Möglichkeit, seine Fotos zu vergleichen und sich mit anderen zu messen. Sei es durch scharfe Technik, ungewöhnliche Perspektive oder nie gesehene Formen.

Aus alt wird neu!

Durch das Vermischen von klassischen Motiven mit neuen Erfahrungen und Ideen entsteht nach und nach ein eigener Stil. Unverkennbar und mit Wiedererkennungswert. Dieser Prozess dauert unter Umständen einige Jahre oder sogar für immer, und doch beginnt er stets mit einem langweiligen, klassischen Postkartenmotiv.

Daher gebe ich gern den Tipp:

Fotografiere den Rheinturm von unten. Auch Schloss Benrath steht noch an der selben Stelle wie auf den Bildern, die schon vor 100 Jahren gemacht wurden. Also geh hin und mach es nochmal! Nur dadurch kannst Du Dich verbessern, Techniken lernen und Dich weiterentwickeln.

Fotografiere olle Kamellen und abgedroschene Landschaften, den Berliner Fernsehturm oder auch den Kölner Dom. Mit jedem Mal wirst du besser, und irgendwann kommen die Fotos, die noch keiner gesehen hat, von alleine!