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© Antje Terhaag

Lesen ist billiger

Als wir neulich unseren Kurs “Nacht- und Feuerwerkfotografie auf der Kirmes” bei Facebook beworben haben, fand sich folgender Kommentar unter der Veranstaltung: “Lesen ist billiger” und dahinter ein Link zu einer recht präzisen Beschreibung der notwendigen Einstellungen, wenn man ein Feuerwerk fotografieren will, wenngleich mit wenig imponierenden Beispielbildern.

Auch wenn ich den persönlichen Nutzen einer fremden Person (es handelte sich nicht um einen Kunden), solch einen Kommentar abzugeben, nicht nachvollziehen kann, so ist die Aussage selbst natürlich korrekt: Lesen ist billiger. Selbst im Verhältnis zu einem Schnapper wie dem Feuerwerk-Workshop für 29,– Euro. Aber wie steht es denn mit den Resultaten?

Was die Feuerwerkfotografie betrifft: Als geübter Fotografierender kann man die Schritte leicht nachvollziehen, wenn man sie sich anliest. Und wenn man es einmal gemacht hat, kann man es sich auch ganz gut merken – man vergisst vielleicht, den Stabilisator abzuschalten oder umgekehrt, ihn anschließend wieder zu aktivieren, aber das Motiv selbst kriegt man in den Griff. Ich habe vor längerer Zeit einen Workshop zu dem Thema besucht und habe es genossen, mit einer Runde Gleichgesinnter an einem netten Ort zu stehen und alle paar Minuten die Displays der anderen zu beäugen. Es war ein Sommerabend, der bis weit nach Mitternacht nicht mehr als ein T-Shirt verlangte, und wir hatten einen Referenten, der grundsympathisch war und auf jede Frage eine fundierte Antwort wusste. Aber eine schriftliche Checkliste hätte mir zumindest technisch gesehen gereicht.

Ganz anders beim ersten Photoshop-Kurs. Ich hatte mich ein wenig in die Software eingefrickelt, nun sollten neue Tiefen erobert werden. In diesem Stadium war der Kurs unverzichtbar. Manche Dinge hat das Programm nämlich einfach nicht gemacht, obwohl es bei anderen funktionierte. Und ja, es war die richtige Ebene ausgewählt, aber eben falsch eingestellt, von welchen Ebenen Daten aufgenommen werden sollten. Das hätte ich ohne einen Trainer damals nicht herausgefunden.

Wann also lohnt sich die Investition in einen Workshop oder Kurs, wann kann man sich etwas anlesen und wann ist ein Video sinnvoll?

 

 

Video

 

Mit einem kostenlosen Text oder Video-Tutorial im Internet macht man erst einmal nichts falsch. Im schlimmsten Fall hat man Zeit verschwendet, im besten hat man alles erfahren, was man wissen wollte – plus Zugabe. Ich nutze solche Tutorials auf Youtube ganz gerne, wenn es um verrücktes Zeug geht wie beispielsweise das Generieren von Lichtstrahlen in Photoshop. Das ist eine völlig krude Aneinanderreihung von Schritten, bei denen man am Anfang nicht für möglich hält, dass tatsächlich ein beeindruckendes Ergebnis am Ende steht. Solche Anweisungen will ich dann auch nicht lesen, weil ich sehen möchte, was jeweils auf dem Bildschirm passiert. Und weil das Vertexten solcher Abläufe vermutlich in den Wald führen würde. Allerdings muss man schon ein ordentliches Grundverständnis haben – denn wenn man festhängt, kann man das Video nicht fragen, wie man weitermachen muss. Wenn man Glück hat, kann man die Frage als Kommentar stellen, aber das ist vom Aufwand her nicht zu vergleichen mit einem schnellen: “Kannst Du mal in meinen Rechner gucken, warum das bei mir nicht funktioniert?”. Dafür kann man so ein Video auch mal eben mitten in der Nacht ansehen, weil man gerade an einem Bild sitzt und genau in diesem Moment eine Idee umsetzen will.

Im Gegenzug zu solchen Perlen sieht man dann aber auch eine entsprechende Menge von Videos, bei denen man nur auf gutes Click-Baiting hereingefallen ist. Oder auf den Trend, jeden Text, der in 20 Sekunden zu lesen wäre, in ein 15-Minuten-Video zu packen, weil man dort der Werbung nicht entkommt.

Bei kostenpflichtigen Online-Kursen ist man preislich ganz schnell auf dem Niveau eines Workshops mit persönlicher Präsenz. Dafür kann man zumeist ein paar kostenfreie Ausschnitte sehen, um sich eine Meinung zu bilden, oder man erlebt große Stars, die man nur für solch ein Projekt einmal bekommt. Vieles erhält man nur im Rahmen eines Abonnements mit einer bestimmten Laufzeit und freiem Zugang zu allen Inhalten. Das habe ich schon in Anspruch genommen – und zumindest bei mir setzte schnell das Fitnessstudio-Mysterium ein: Nach einer intensiven Nutzung im ersten Monat …

 

 

Buch

 

Bücher sind wieder etwas anderes. Ich lese sie zu Themen, für die keine Kurse angeboten werden, um mich inspirieren zu lassen. Hier kann ich das Tempo selbst bestimmen, kann das Buch wieder aus der Hand legen, querlesen, einen bestimmten Abschnitt suchen und gezielt lesen. Während ich Video-Tutorials für technische Themen schätze, ziehe ich Bücher bei Kreativthemen vor. Aber natürlich gibt es auch Technikbücher, die ich als Nachschlagewerke verwende.
Gute Bücher mit erlesenen Bildern sind aber auch kein Schnäppchen – und sie beantworten keine Fragen, geben kein Feedback.

 

 

Workshop

 

Kommen wir also zurück auf die Kurse, bei denen Menschen gemeinsam ein Thema erobern. Hier gibt es gute und schlechte – wie bei Texten oder Videos auch. Die guten Veranstaltungen zeichnen sich durch Lehrer aus, die absolut sattelfest in ihrer Materie sind, Freude am Unterrichten haben und mit einer Gruppe umgehen können. Und natürlich die richtigen Inhalte gewählt haben. Manchmal muss man auch Glück mit den Teilnehmern haben – es gibt Gruppen, die harmonieren, und es gibt Gruppen, die heterogener sind, als man sich das wünschen würde. Wenn man aber mal unterstellt, dass der Trainer ein guter ist und die Inhalte dem entsprechen, was zuvor ausgelobt wurde, dann würde ich einen Kurs immer als lohnend empfinden.Er kann sich inhaltlich immer wieder auf neue Situationen und Fragestellungen einstellen – wie ein Buch, das sich erst im Moment des Lesens schreibt. Man kann Fragen stellen und sich erst dann zufriedengeben, wenn man die passende Antwort hat. Man kann sich Rückmeldung und Bestätigung holen – wenn man dafür offen ist und die Kursleitung weiß, wie man gutes Feedback gibt – und daraus Motivation und neue Impulse beziehen. Man kann (weitgehend) sein eigenes Tempo vorlegen. Man lernt Menschen mit gleichgelagerten Interessen kennen und kann unter ihnen Freunde finden. FotografInnen begutachten gerne fremdes Equipment und holen sich Erfahrungswerte.

Zumeist bekommt man in Kursen Tricks verraten, die man sonst nicht findet. Zum Beispiel die Sache mit dem Knicklicht, die in unserem besagten Kurs zur Nacht- und Feuerwerkfotografie erläutert wird. Nein, es hat nichts mit Lightpainting zu tun. Und es lässt sich hier nicht nachlesen …

 

Fazit

 

Alle Arten, sich fotografisch weiterzuentwickeln, haben ihre Berechtigung und je nach Thema, Vorwissen und Persönlichkeit ihre Vorzüge. “Lesen ist billiger” trifft dabei nicht immer zu. Wie auch immer die eigene Entscheidung ausfällt, schließe ich mich der Meinung an, dass man für herausragende Fotos das meiste Geld in Erlebnisse (wie Reisen) investieren sollte, dann in Weiterbildung und erst zuletzt in Gerätschaften.

© Antje Terhaag

Olle Kamellen und Postkartenmotive

Als Einsteiger in der Fotografie bewundert man Fotografien auf Postkarten und Plakaten, Fotos mit klassischer Perspektive und bekannten Formen. Mit steigender Erfahrung wird man dessen jedoch überdrüssig. Die klassische Postkarte mit millionenfach abgelichteten Motiven ist langweilig geworden und man sucht die Herausforderung.

Einsteigern wird oft empfohlen, sich doch andere Motive zu suchen und nicht immer nur dieses langweilige Zeug. Doch genau dieses „langweilige Zeug“ ist das Wichtigste in einem beginnenden Fotografenleben. Denn dort beginnt der Maßstab.

Würden wir uns stets nur an neuen Ideen und Techniken versuchen, könnten Fotografen Bewährtes nicht erleben oder erlernen. Denn klassische Motive sind das Fundament auf dem die Fotografie steht. Von hier aus startet jeder – selbst der, der anderen den Tipp gibt, nicht mit ollen Kamellen zu langweilen. Aber so langweilig sind diese Motive gar nicht, es gibt immer ein Lichtschauspiel oder eine Szene, welche dieses Motiv besonders herausragen lässt. Durch die vielen Fotos, die es zum Beispiel vom Medienhafen gibt, hat der Einsteiger die Möglichkeit, seine Fotos zu vergleichen und sich mit anderen zu messen. Sei es durch scharfe Technik, ungewöhnliche Perspektive oder nie gesehene Formen.

Aus alt wird neu!

Durch das Vermischen von klassischen Motiven mit neuen Erfahrungen und Ideen entsteht nach und nach ein eigener Stil. Unverkennbar und mit Wiedererkennungswert. Dieser Prozess dauert unter Umständen einige Jahre oder sogar für immer, und doch beginnt er stets mit einem langweiligen, klassischen Postkartenmotiv.

Daher gebe ich gern den Tipp:

Fotografiere den Rheinturm von unten. Auch Schloss Benrath steht noch an der selben Stelle wie auf den Bildern, die schon vor 100 Jahren gemacht wurden. Also geh hin und mach es nochmal! Nur dadurch kannst Du Dich verbessern, Techniken lernen und Dich weiterentwickeln.

Fotografiere olle Kamellen und abgedroschene Landschaften, den Berliner Fernsehturm oder auch den Kölner Dom. Mit jedem Mal wirst du besser, und irgendwann kommen die Fotos, die noch keiner gesehen hat, von alleine!

© Antje Terhaag

Adobe RGB oder sRGB?

Wer hat sich diese Frage noch nicht gestellt …

Spätestens in der RAW-Entwicklung steht man vor dem Problem, welchen Farbraum man am besten für seine Fotobearbeitung verwendet. Und was ist das eigentlich?
Ein Farbraum ist die Menge an darstellbaren Farben (unabhängig von der Luminanz).

sRGB ist der Standard für alle Digitalmedien im Consumerbereich. Günstige Fotokameras, Monitore und Drucker arbeiten mit diesem Farbraum. Auch große Verbraucher-Fotolabore und kleine Fotodruckerein in den Innenstädten setzen sRGB vorraus. Da dieser Standard nie wirklich festgesetzt wurde, er aber doch überall vorausgesetzt wird, nennt man ihn einen Quasi-Standard.

Adobe wollte die Farbräume RGB und CYMK (so nennt man den Druckfarbraum) miteinander verbinden, entwickelte in den 1990er-Jahren diesen Farbraum und veröffentlichte ihn 1998. Seitdem wurde er immer weiterentwickelt, vor allem im Grün- und Cyanbereich, um vor allem Naturtöne feiner darzustellen.

Allerdings benötigt man entsprechende Hardware wie eine Kamera, die dieses Farbspektrum aufnehmen, einen Monitor, der es darstellen, und einen Drucker, der es umsetzen kann. Wie man sich vorstellen kann, ist diese ziemlich teuer oder kompliziert in der Anwendung (vor allem das Drucken)

Die Ergebnisse sind von Laien auch kaum zu unterscheiden, deswegen wird es hauptsächlich in der technischen, medizinischen und künstlerischen Fotografie benötig, in der feinste Farbvariationen sichtbar sein müssen.

Man sollte sich also überlegen ob man mit dem sRGB oder Adobe RGB Farbraum arbeiten möchte, außer man fotografiert im RAW-Format – dort wird der Farbraum erst beim Entwickeln in Camera RAW festgelegt.

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ISO

ISO, also International Organisation of Standardization, bezeichnet eigentlich eine Normung. Was hat das mit meiner Kamera zu tun? Es bezeichnet in der Fachsprache die Empfindlichkeit des Sensors, genauer die techische Normungsklasse ISO 5800. Klassischerweise werden diese in den Verdopplungstufen angegeben, angefangen von ISO 100 – 200 – 400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400. Einige Systeme erlauben auch eine Empfindlich unter 100, jedoch eher im professionellen Segment. Seit einigen Jahren bieten digitale Kameras auch die Option auf Drittelstufen in der ISO-Einstellung an. Einen praktischen Nutzen hat dies aber kaum und dient vor allem als Verkaufsargument.

Die ISO ist also die Empfindlichkeit, fangen wir beim kleinsten ISO-Wert an: Hier ist der Sensor am unempfindlichsten und erlaubt längere Belichtungszeiten und die höchste Bildqualität. Denn mit zunehmender ISO-Leistung verschlechtert sich diese, es entsteht Rauschen.

 

Warum rauscht es bei hoher ISO?

 

Mit höhere Empfindlichkeit soll eben auch möglichst viel Licht wiedergegeben werden, welches durch das Objektiv eingefangen wird. Um das zu erreichen, wird der CCD-Sensor mit höherer elektrischer Ladung versorgt. Da der Sensor immer eine Grundspannung hat, wird diese mit höheren Empfindlichkeiten als Licht wahrgenommen und überdeckt genau jenes Lichtspektrum, welches schwächer ist als das der Grundspannung.

Die Chiphersteller haben in den letzten Jahren allerdings sehr viel erreicht in der Vermeidung des Rauschens, wenn man mal die High-ISO-Photos der letzten 5-6 Jahre vergleicht mit den heutigen, dann schimpft man schon auf sehr hohem Niveau. Im Beispielfoto wurde mit ISO 6400 gearbeitet.

 

Wofür braucht man höhere Empfindlichkeit im Sensor?

 

Nehmen wir mal, an es ist sehr hell am Tag, die Sonne scheint und wir haben ein gutes und lichtstarkes Objektiv. Dann ist alles in Ordnung. Sobald man aber in die Dämmerung gelangt und/oder das Objektiv nur eine geringe maximale Blendenöffnung zulässt, gerät man schnell in die Situation, dass die Belichtungszeit zu lang wird – vor allem bei langen Brennweiten (starker Zoom).

Um (ohne Stativ) nicht zu verwackeln, muss die Belichtungszeit aber (relativ) gering sein. Um also dem Sensor die Möglichkeit zu geben, noch das letzte bisschen Licht aus einer Situation zu holen, erhöht man eben die ISO, die Empfindlichkeit.

Eine hohe ISO hat aber auch noch einen weiteren Vorteil: Sie hat eine flachere Gradation, das heißt, dunkle Stellen werden etwas aufgehellt und helle etwas abgedunkelt. Hierdurch ergibt sich ein weicher und flacher Kontrast, was  mehr Details zulässt. Welche Einstellung das beste Qualitäts-Kontrastumfang-Verhältnis hat, kann niemand so pauschal sagen: Dies hängt vom Alter des Geräts, dem Modell und der Auslösezahl ab.

 

ISO-Rauschen als Stilmittel

 

Grundsätzlich gilt es, das technische Rauschen zu vermeiden und möglichst viel Bildqualität zu erhalten. Dies gilt vor allem in der handwerklichen Fotografie.

Anders ist es in der künstlerischen Fotografie: Hier kann man gar mitunter nicht genug gekommen von gewollten Abbildungsbeschränkungen, die noch mehr Abstraktion zulassen.