Menschen, die uns fremd bleiben, kreuzen unsere Wege. Ihre Gegenwart erscheint banal, weil sie sich wiederholt, weil sie uns nichts abverlangt.
Wer ist die Person, die mir im Sucher der Kamera begegnet? Woran denkt sie? Eilt sie einem Ziel entgegen oder treibt sie durch die Zeit? Schwebt sie oder belastet das Alter ihren Gang?
Es sind Fragen, die wir selten stellen. Der Alltag selbst verweigert die Erzählung. Erst im Bruch, in Momenten, die das Vertraute erschüttern, durch Krankheit, Krieg oder Naturgewalten, beginnt das Selbstverständliche zu leuchten. Dann erkennen wir, wie kostbar das Unscheinbare ist.
Diese fotografische Serie setzt genau hier an: nicht im Außergewöhnlichen, sondern im Alltäglichen. Sie versucht nicht, den Alltag zu erklären, sondern ihm eine Form zu verleihen.
Um dem Alltag eine gewisse Struktur zu geben, greife ich auf die Mathematik zurück. Gedanklich forme ich Mengen, Gefüge von Ähnlichkeiten, zusammengehalten durch greifbare Gemeinsamkeiten. In ihnen wird ein Element mit »x« bezeichnet: ein Platzhalter, ein Zeichen für das Einzelne im Allgemeinen.
Aus der Vielfalt von Mengen des Alltags wähle ich eine: die weiblichen Personen. »x« steht für ein Element dieser Menge, eine konkrete Frau – und zugleich eine Variable: austauschbar, wiederkehrend, nie identisch und immer einzigartig.
In jedem Bild ist »x« jene Frau, die in sich gekehrt ihren Weg geht.