Das Vorurteil sitzt vor den Schubladen und wartet,
seine Gedanken verzerrt, unrealistisch, entartet.
Es kommt eine Frau vorbei, sehr gepflegt und schick,
das Vorurteil entscheidet: gefräßig, hässlich und dick,
außerdem noch dumm, lahm und faul,
wie ein alter Ackergaul.
Nun kommt ein Mann, genauso gepflegt und schick,
der Körper ist – wie bei der Frau – dick.
Das Vorurteil entscheidet: kräftig und stark,
er arbeitet körperlich, jeden Tag hart.
Es wartet weiter und hofft, dass es sich lohnt –
eine Muslima mit Kopftuch, die wird auch nicht verschont,
unterwürfig, unmündig, gezwungen im Sein,
ihr Stolz und die Würde vom Islam nur Schein.
Ein Moslem ist triebhaft, voller Würde und Stolz,
nicht wie die Frauen – die sind aus anderem Holz.
Plötzlich zwei Männer, eine Berührung, ein leidenschaftlicher Kuss,
widerlich, pervers und krank –
dafür braucht es einen ganzen Schrank.
Zwei Frauen, die gleiche Berührung, ein inniger Kuss,
heiß, geil, erotischer Hochgenuss,
sofort denkt es lüstern an einen Dreier bis zum Schluss.
Eine schwarze Frau ist immer willig und versaut,
genau das brauche ich fürs Bett, aber nicht als Braut.
Ein schwarzer Mann mit weißer Frau –
er hat sie fürs Visum, ich weiß es genau.
Hass, Diskriminierung und Vorurteile
quellen hervor aus jedem Wort und jeder Zeile.
Sie sind verletzend, zerstörend, ja sogar tödlich –
und vor allem absolut nicht wahr, entbehrlich – und völlig unnötig.