Als er die Augen öffnete, wusste er nicht, was ihn störte. Es war nicht die Dunkelheit, nicht die Stille. Es war die Art, wie die Luft roch: metallisch abgestanden, ohne jede Spur von Morgen.
Dort, wo gestern noch das Fenster war, durch das er jeden Morgen die Straßenbahn hörte, befand sich nun eine Wand: grau, glatt, kalt. Die Türe bestand aus Eisen, mit einer schmalen Klappe, kein Griff von innen. Über ihm brannte eine Lampe, die kein Ein und Aus kannte: eine Gefängniszelle.
Er stand auf, seine Schritte hallten fremd, als gehörten sie jemand anderem. Er suchte nach Erklärungen, nach Übergängen, nach Rissen in der Erinnerung. Doch der Abend zuvor war banal: Abendessen, Nachrichten, Schlaf. Nichts, was diesen Ort erklären konnte.
In der Ecke der Zelle lag ein Paket. Es war klein, ordentlich verschnürt, als hätte sich jemand Mühe gegeben. Sein Name stand darauf, sauber geschrieben, keine Absenderangabe.
Mit zitternden Fingern öffnete er es. Fotos rutschten heraus, dazu mehrere Briefe. Er kannte niemanden. Er drehte die Fotos um, suchte nach Namen, nach Hinweisen. Nichts. Die Briefe waren persönlich geschrieben, voller Erinnerungen, Vorwürfe, Hoffnungen. »Du hast versprochen.« Seit jenem Tag ist alles anders. »Wir warten immer noch.« Keine Erinnerung regte sich, kein Bild passte in sein Leben. Es war, als hätte jemand das Tagebuch eines Fremden in seine Hand gelegt.
»Das ist ein Irrtum«, murmelte er.
Stunden vergingen. Oder Tage. Zeit hatte keine Form. Schließlich öffnete sich die Klappe der Türe. Schritte näherten sich, Schlüssel klirrten. Die Türe schwang auf.
Zwei Wärter traten ein. Wortlos führten sie ihn in Handschellen ab und nahmen das Paket als Beweismittel mit.
»Warum bin ich hier, warum bin ich verhaftet?«
Schweigen.
Er wurde in einen großen Raum geführt. Am Ende des Raumes saß ein Mann an einem großen Tisch. Die Wärter führten ihn dorthin.
»Angeklagter, Sie sind schuldig.«